Rezension: Comic – „Starfleet Academy“

Die Abenteuer der Kadetten der Sternenflottenakademie werden schon über lange Zeit regelmäßig in der Star Trek-Literatur thematisiert. Vor allem in den 90er-Jahren gab es so einige Spin-Offs mit dem Titel „Starfleet Academy“, zum Beispiel eine dreiteilige Romanreihe über SpockMcCoy und Kirk und auch über die TNG-Ära-Charaktere. Auch Comics von Marvel und DC beschäftigten sich mit den Kadetten der Sternenflotte. William Shatner und das Autorenduo Reeves-Stevens verfassten ebenfalls den (leider nie fortgesetzten) Beginn einer neuen Romanreihe namens „Academy“. Infolge des 11. Kinofilms von 2009 erschienen dann weitere vier „Starfleet Academy“-Romane. Und schließlich Ende 2015/Anfang 2016 nahm sich auch der aktuelle Star Trek-Comicverlag IDW dieses Themas an und veröffentlichte eine neue, fünfteilige Miniserie namens „Starfleet Academy“, deren Handlung ebenfalls in der neuen Zeitlinie angesiedelt ist.

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Abwechselnd erzählt die Miniserie von Erlebnissen zweier Gruppen von Kadetten. 2258 möchte Kadettin Nyota Uhura zu einem sonderbaren Signal Nachforschungen betreiben, das sie während ihrer Studien im Langstreckenkommunikationslabor der Akademie auffängt. Doch die Weigerung ihrer Vorgesetzten – drunter Ausbilder Spock – sie dabei zu unterstützten, lässt sie auf eigene Faust handeln. Doch dazu benötigt sie die Hilfe durch weitere Kadetten. Kadett Chekov gelingt es, den Ausgangspunkt des Signals herauszufinden: das Sonnensystem Wagner-219. Doch um die aus unerklärlichen Gründen als geheim eingestuften Informationen über dieses System abzurufen, benötigt Uhura die Hilfe eines anderen Kadetten, der es mit den Vorschriften etwas weniger genau nimmt als Chekov …

2261 steht das 100-Jahr-Jubiläum der Akademiegründung an, was für die vulkanische Kadettin T’Laan jedoch von keinem großen Interesse ist, hat sie doch entschieden, ihr Studium abzubrechen und nach Neu-Vulkan zu gehen, um dabei zu helfen, die neue Kolonie aufzubauen. Einer ihrer Professoren überredet T’Laan jedoch dazu, ihre Entscheidung noch etwas aufzuschieben und an einem zum Jubiläum ausgetragenen Wettbewerb teilzunehmen, an dem Studenten verschiedenster Schulen der Föderation teilnehmen. Der Professor hofft, dass T’Laan vom Teamgeist angesteckt wird und einige neue, interessanten Facetten des Akademielebens kennen lernt. Tatsächlich verläuft der Wettbewerb sehr abwechslungsreich und mit einigen Überraschungen, wofür auch T’Laans Teamkameraden sorgen: das wandelnde Lexikon Lucia Gonzales, der andorianische Heißsporn Shev, die Pilotin Grace Chen und der Medizinstudent Vel K’Bentayr vom Planeten Monchezke. Aus dem Wettbewerb wird jedoch ein Ernstfall, als das Team mit einem Shuttle in den Randbereich des Sonnensystem Wagner-219 gerät und dort das selbe Signal auffängt, wie einst Kadettin Uhura …

Fazit: Die Miniserie überzeugt mit zwei sehr interessanten, zeitlich getrennten aber parallel erzählten Handlungssträngen, wenngleich das „Geheimnis“, was es mit dem Signal auf sich hat und wohin die Geschichte schließlich führen wird, schon sehr früh gelüftet wird. Das hätte man geschickter verstecken können. Dennoch ist auch der Weg hin zum Ziel die Lektüre wert. Die Charaktere – von denen es nicht gerade wenige gibt – sind mehr als ausreichend bis sehr gut definiert. Vor allem T’Laan und Lucia kommen sehr sympathisch  rüber und die Canon-Charaktere im 2258er-Handlungsstrang sind durch die Bank hervorragend getroffen. Durch die ganze Geschichte zieht sich ein toller Wortwitz, die Dialoge zwischen Kirk und Uhura folgen ganz dem Stil ihrer verbalen Auseinandersetzungen im Kinofilm. Auch Vel K’Bentayr sorgt für viel Humor mit seiner Eigenart, Offensichtliches auszusprechen, da verbale Kommunikation für ihn noch neu ist. Inhaltlich ist mir sonst nur ein kleiner – aber unwesentlicher Fehler – aufgefallen: Eine bestimmte Zeitspanne wird einmal mit 47 Tagen angegeben, etwas später mit 61 Tagen.

Die Zeichnungen von Derek Charm sind sehr interessant. Vorweg sei festgehalten, dass Charm zuvor noch keinen Star Trek-Comic illustriert hatte, nur eine handvoll alternative Cover für die „Ongoing„-Reihe beigesteuert hat. Sein Stil ist also für den Star Trek-Comic-Leser etwas Neues, aber man gewöhnt sich schnell daran. Ich kann auch nicht genau sagen, woran es liegt, aber seine Zeichnungen vermitteln zur selben Zeit den Eindruck, „einfach“ gehalten zu sein, aber sind doch vollgestopft mit Details. Ich glaube, er legt einfach sehr bewusst den Fokus auf das Vordergründige und belässt es bei Hintergründen oft bei Formen, Farben und einigen besonderen Highlights. Ein interessanter Stil, der aber das Wiedererkennen von Personen und Schauplätzen in keinster Weise behindert. Im Gegenteil erkennt man sofort jeden Charakter, jede Spezies und jeden Schauplatz aus den Star Trek-Serien und -Filmen sofort wieder, trotz mancher Vereinfachung. Die gewählten Motive sind in der gesamten Miniserie sehr stimmig gewählt, ich konnte hier – anders als bei einigen der frühen „Ongoing“-Comics – kein „Entleihen“ von unpassenden Elementen erkennen.

Inhaltlich ist wirklich alles stimmig, eindeutig ein Spin-Off zum neuen Star Trek-Universum und doch gibt es viele Elemente in diesem Comic, die aus den anderen Serien und Filmen stammen und doch einfach perfekt in die Szenerie passen. Ich würde sogar so weit gehen und den Comic „Starfleet Academy“ als Suchbildrätsel für langjährige Trekkies bezeichnen. Als solcher findet man jede Menge kleine Gimmicks: Kadett Kirk trägt beispielsweise in der Trainingshalle am Handgelenk ein Gerät, das genauso aussieht wie die Handgelenkskommunikatoren in „Star Trek – Der Film“. Ebenfalls aus dem ersten Film stammen die „Rüstungen“ der Sicherheitswächter. In seiner Freizeit trägt Kirk dieselbe Jacke wie sein Prime-Universum-Gegenstück in „Star Trek III – Auf der Suche nach Mister Spock“. Viele außerirdische Spezies aus den diversen Star Trek-Filmen säumen den Campus der Akademie und in einer Bar – wo sonst? – sehen wir einen Lurianer sitzen, womöglich ein Vorfahre von Morn aus „Deep Space Nine“.  Und sogar Phylosianer und Kzinti aus der Zeichentrickserie treten in Erscheinung. Aus „Enteprise“ sehen wir ebenfalls einige Spezies – Denobulaner, Rigelianer, Coridaniten etc. – und ab einem Rückblick in die Anfangszeit der Sternenflotte stellt Zeichner Derek Charm die von mir auch optisch sehr gemochte „Enterprise“-Ära umfassend dar. Hier fällt jedoch ein Zeichenfehler auf: Die Crew des NX-Klasse-Schiffs Slayton hat auf ihren Overalls dort, wo das Schiffsabzeichen sein sollten, nur einen weißen Kreis. Als ob diese Stelle freigehalten worden wäre, um ein Abzeichen einzufügen, dies aber vergessen worden wäre.

Bewertung: Was Geschichten über die Kadetten der Sternenflotteakademie angeht, war ich sehr lange Zeit skeptisch, konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas interessant wäre. Geprägt wurde meine Einstellung bestimmt durch zwei enorm schwache TNG-Kadetten-Romane, die ich den 90er-Jahren gelesen habe. Doch seit dem Kinofilm von 2009 ist das ganz anders und genau hier setzt auch die Comic-Miniserie an. Visuell wie auch von der vermittelten Stimmung her. Dass auch die „Enteprise“-Ära in die Story verwoben wurde, ist ein zusätzlicher Pluspunkt. „Starfleet Academy“ unterhielt mich wirklich hervorragend, vor allem dank des hohen Humorgehalts, aber auch mit einer klassischen Abenteuerstory, deren Offenbarung aber ein wenig zu früh vorweg genommen wurde. An den Zeichenstil gewöhnt man sich wie gesagt schnell und die vielen keinen und großen visuellen Anspielungen sind eine tolle Sache für Fans. Ich geben der Miniserie gute 5 von 6 Sterne! 

5stars

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2 Kommentare zu “Rezension: Comic – „Starfleet Academy“

  1. Hallo Markus,
    das klingt wirklich sehr interessant.
    Cross Cult, bitte übernehmen!
    Ein wenig hoffe ich ja auch noch (wieder) auf Eaglemoss.

    LG, Frank

  2. Wenn Eaglemoss die Collection auf Deutsch fortsetzt, dann sieht es mit „Starfleet Academy“ sicher gut aus; die Briten bekommen den Band als #8. 🙂 Der Hinweis in deiner Rezension zu #1 „Countdown“, dass die Bonus-Story neu übersetzt wurde, stimmt zuversichtlich, dass bei einer Fortsetzung der Reihe auch bislang noch nicht übersetzte Comics auf diesem Wege auf Deutsch erscheinen könnten.

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